11 – Corked (Gerbstoffreiche Fake-Dokumentation, USA, 2009)

11 – Corked (Gerbstoffreiche Fake-Dokumentation, USA, 2009) Regie: Ross Clenenden und Paul Hawley Drehbuch: Ros Clenenden, Paul Hawley sowie Brian A. Hoffman, Miguel Medina, Devin Westberg Mit Jeffrey Weissman, Martina Finch, Ross Clendenen, Todd Norris, Sara Woo Wie »Bottle Shock« setzt auch »Corked« auf Humor und das Lächerlichmachen sich vornehm dünkender Wein-Kenner, diesmal jedoch in Form einer fiktiven und parodierenden Dokumentation. Im Hauptstrang begleitet ein Film-Team einen Wein-Kritiker, welcher diverse kalifornische Weingüter besucht, die sich gegenseitig mit aller Kraft auszustechen versuchen. Daneben stehen Interviews mit vermeintlichen Branchenkennern, etwa zwei Weinhändlern, von denen einer bekennender Anonymer Alkoholiker ist, während der andere nur Budweiser kennt. Manchmal etwas brachial in seinen Scherzen, aber kenntnisreich, liebevoll und mit Anleihen bei »The Big Lebowski« inszeniert Dazu passt: Fred Loimer, 2011 Anning Pinot Noir Gumpoldskirchen

10 – Diese Erde ist mein (Halbtrockenes Melodram, USA, 1959)

10 – Diese Erde ist mein (Halbtrockenes Melodram, USA, 1959) Regie: Henry King Drehbuch: Casey Robinson nach dem Roman »The Cup and the Sword« von Alice Hobart Mit Rock Hudson, Jean Simmons, Dorothy McGuire, Claude Rains Im Amerika der frühen 30er Jahren, also zur Zeit der Prohibition, ist es nicht leicht, mit einem Weingut zu überleben. Patriarch Philippe Rambeau lehnt den Vorschlag seines unehelichen Enkels John aber ab, die Mafia an der Ostküste zu beliefern. Stattdessen lässt er seine Enkelin Elizabeth aus England anreisen, um durch eine arrangierte Hochzeit seinen Besitz zu vergrößern. Elizabeth, in die sich John aus dem Stand verliebt, hat aber ganz eigene Pläne – woraufhin Gewalt und Feuer im Napa Valley einziehen. Klassisches, schön fotografiertes Hollywood-Drama in Technicolor, welches mit den Turbulenzen des Plots nicht ganz zu Rande kommt und deshalb – aber das kann nach einer guten Flasche Wein schon mal passieren – eine Spur zu wortlastig ausfällt. Dazu passt: Alexander Gysler, 2012 3erlei

9 – The Kids Are All Right (Elegante Komödie, USA, 2010)

9 – The Kids Are All Right (Elegante Komödie, USA, 2010) Regie: Lisa Cholodenko Drehbuch: Lisa Cholodenko und Stuart Bloomberg Mit Julianne Moore, Annette Bening, Mark Ruffalo Nic denkt eher, Jules fühlt eher –zusammen sind sie seit 20 Jahren verheiratet. Jede der Frauen hat durch künstliche Befruchtung ein Kind zur Welt gebracht. Als der Sohn wissen will, wer der anonyme Samenspender ist, der sein Vater ist, gerät so einiges in dem bis dahin geordneten Familienleben in Schräglage. Obwohl Wein nicht das unmittelbare Thema der Mehrecksgeschichte ist, begleitet er derart viele Szenen, dass manche Kritiker meinten, die Roten hätten im Abspann erwähnt werden müssen. Darauf wiederum reagierte die Produktionsfirma und beauftragte einen kundigen Connaisseur und Drehbuchautor, ausgesuchte Filme mit ausgesuchten Weine zu paaren (auf www.focusfeatures.com/the_kids_are_all_right unter »In Depth«). Dazu passt: Wittmann, 2011 Westhofener Spätburgunder trocken

8 – Ein gutes Jahr (Ausgewogene Komödie, USA/Groß-Britannien, 2006)

8 – Ein gutes Jahr (Ausgewogene Komödie, USA/Groß-Britannien, 2006) Regie: Ridley Scott Drehbuch: Marc Klein Mit Russell Crowe, Albert Finney, Marion Cotillard Die Story könnte so auch am Vorabend im ZDF laufen: Kaltherziger Londoner Börsenmakler erfährt, dass sein Onkel verstorben ist. Da es für dessen Weingut in der Provence kein Testament gibt, beschließt er, den Besitz schnellstmöglich zu verkaufen. Natürlich erinnert er sich in Frankreich an unbeschwerte Kindertage, natürlich verfällt er einer eigenwilligen Französin, natürlich macht ihm eine uneheliche Tochter des Onkels als Erbin Scherereien. Zu diesem korkigen Plot gesellt sich wie bei einer Cuvée, die als Verschnitt, nicht als Komposition zu verstehen ist, noch die Ästhetik einer Gauloises-Reklame und Slapstick, an dem Louis de Funès – und er allein – seine Freude hätte. Dennoch: Die Szenen in der Provence, allesamt in der Nähe des Wohnortes des Regisseurs gedreht, strahlen eine Wärme aus, die zu Herzen geht und dem Film eine eigene Note geben, der ansonsten harmlos bis schal im Abgang wäre. Dazu passt: Alois Lageder, 2010 Apollonia Pinot Noir

7 – Mondovino – Die Wahrheit liegt im Wein (Bittere Dokumentation, Argentinien/Frankreich/Italien/USA , 2004)

7 – Mondovino – Die Wahrheit liegt im Wein (Bittere Dokumentation, Argentinien/Frankreich/Italien/USA , 2004) Regie und Drehbuch: Jonathan Nositer Mit Albiera Antinori, Etienne de Montille, Bill Harlan, Margrit Mondavi Red Obsession (Bissige Dokumentation, Australien/China/Frankreich/Groß-Britannien/USA, 2013) Regie und Drehbuch: David Roach und Warwick Ross Erzählt von Russelll Crowe, mit Francis Ford Coppola, Sara Eisen, Debra Meiburg Zwei Dokumentationen mit ähnlichem Ansatz. In »Mondovino« –spannend, aber nicht entspannend und visuell wie aus der Hüfte geschossen wirkend – geht es dem Regisseur, der auch Sommelier ist, um die Auswirkungen der Globalisierung auf das lokale Weingeschäft. In Form zahlreicher Interviews wird von der Diktatur internationaler Konzerne erzählt, von ausgelaugten Böden, sich exzellent vermarktenden Weinkennern, dem Trend zu geschmacklicher Uniformität und geschicktem Marketing, welches den Menschen erzählt, was sie zu mögen haben. »Red Obsession« – ebenso spannend, ebenso wenig entspannend und optisch überaus elegant – spezialisiert sich knapp zehn Jahre später auf die Frage, wie aus etwas so Wohlmundendem wie Bordeaux-Weinen ein knallhartes Investment werden konnte. Vor allem in der zweiten Hälfte des Films geht es um die chinesische Wein-Manie, um Auktionen in Hongkong und Shanghai, auf denen alte Flaschen wie Haute Couture präsentiert werden und die erzielten Preise jeden Realitätsbezug verlieren. Zwei Filme, aus Liebe zum Wein gemacht, aber nicht ohne Sorgenfalten zu genießen. Dazu passt: Peter Jakob Kühn, 2012 Quarzit Riesling Trocken

6 – Star Trek – The Next Generation: Family (Stahlige Science-Fiction, USA, 1990, Season 4, Episode 2)

6 – Star Trek – The Next Generation: Family (Stahlige Science-Fiction, USA, 1990, Season 4, Episode 2) Regie: Les Landau Drehbuch: Ronald D. Moore Mit Patrick Stewart, Jeremy Kemp, Samantha Eggar Nachdem Captain Jean-Luc Picard den Kampf gegen das Kollektiv der Borgs – komplett emotionslose Cyborgs, die ihn kurzfristig zu einem der ihren machen konnten – gewonnen hat und das Raumschiff Enterprise ins Dock muss, nutzt er die Auszeit, um auf der Erde Urlaub zu machen. Zum ersten Mal nach 20 Jahren kehrt er ins französische La Barre zurück, wo seine Eltern ein Weingut besaßen, dass inzwischen Picards Bruder Robert führt. Zwischen den Brüdern und Roberts Frau Marie entspannen sich längere Diskussionen um den Sinn von Technik und Fortschritt, wenn die Bequemlichkeit nur dazu führt, dass überlieferte Traditionen wie Kochen und Ackerbau verschwinden. Nach einer Schlägerei im Schlamm der Weinberge sitzen die Brüder mit Rotwein in Riedel-Gläsern fröhlich angeheitert, versöhnt und singend vor dem Weingut. Dazu passt: Marc Kreydenweiss, 2012 La Fontaine Aux Enfants Pinot Blanc

5 – Berüchtigt (Reifer Thriller, USA, 1946)

5 – Berüchtigt (Reifer Thriller, USA, 1946) Regie: Alfred Hitchcock Drehbuch: Ben Hecht Mit Cary Grant, Ingrid Bergman, Claude Rains Eine amerikanische Patriotin, die zu viel trinkt. Ein Agent, der sie liebt, aber trotzdem dazu bringt, einen anderen Mann zu heiraten. Einen nämlich, der im Jahr 1946 Nazis der IG Farben nach Brasilien schmuggelt. Und darüber hinaus einen Weinkeller sein eigen nennt, in dessen Flaschen ein komisches Pulver ist: in der deutschen Fassung sind es Drogen, im Original Uran zum Bau von Atombomben. Thriller über den Gegensatz von Liebe und Pflicht mit damals extrem modernen Kamerafahrten und der am Rande verbreiteten Weisheit, dass nicht in jedem Wein auch Wahrheit ist. Dazu passt: Fritz Wieninger, 2012 Nussberg Alte Reben

4 – Sideways (Frische Komödie, USA, 2004)

4 – Sideways (Frische Komödie, USA, 2004) Regie: Alexander Payne Drehbuch: Alexander Payne und Jim Taylor nach dem gleichnamigen Roman von Rex Pickett Mit Paul Giamatti, Thomas Haden Church, Virginia Madsen Miles ist Englischlehrer, etwas depressiv und ein Weinliebhaber, dessen Ehe scheiterte und dessen Roman »The Day After Yesterday« wohl nie fertig wird, den man deshalb wohl Alkoholiker nennen darf. Jack – arbeitsloser Schauspieler, der Kaugummi zum Wein kaut und stets so jovial wie horny ist – will demnächst seine Freundin heiraten und ins Immobiliengeschäft des Schwiegervaters einsteigen. Vorher begeben sich beide auf eine siebentägige Reise durch die Weinanbaugebiete des kalifornischen Santa Ynez Valley. Miles will trinken und vergessen, trifft aber leider auf die aufrüttelnde Maya. Jack will trinken und Spaß haben, trifft aber leider auf die ihn ernst nehmende Stephanie. Warmherzige, dabei leichte und überraschende menschliche Komödie, die die Grenze zum Kitsch manchmal sanft touchiert. Dazu passt: Ökonomierat Rebholz, 2012 Spätburgunder Blanc de Noir trocken

3 – Tierra (Surreales Drama, Spanien, 1996)

3 – Tierra (Surreales Drama, Spanien, 1996) Regie und Drehbuch: Julio Medem Mit Carmelo Gómez, Emma Suárez, Karra Elejalde Offiziell ist Àngel Schädlingsbekämpfer, der in der spanischen Provinz befallene Weinreben befreien soll. Àngel selbst hält sich für einen Engel, in der Psychiatrie stufte man ihn jedoch als schizophren ein. Zu letzterem passt, dass er sich zeitgleich in zwei Frauen verliebt: in die scheue und verheiratete Weinbäuerin Ángela und die liebestolle und junge Mari. Wie der Hauptfigur ist auch dem Film mit purer Vernunft nicht beizukommen, mal geht es ganz weit zu den Gestirnen im Weltall, mal ganz nah zu Rollasseln, Weinblättern, trockener roter Erde. Selbst die Frage, ob die Asseln nun für einen besseren und minderen Geschmack sorgen, bleibt in diesem Film, der so poetisch wie fremd auf die Welt blickt, ungeklärt. Dazu passt: Karl Fritsch, 2010 Zweigelt Red Soil

2 – Blood Into Wine (Konzentrierte Dokumentation, USA, 2010)

2 – Blood Into Wine (Konzentrierte Dokumentation, USA, 2010) Regie und Drehbuch: Ryan Page & Christopher Pomerenke Mit Maynard James Keenan und Eric Glomski Maynard James Keenan – »Sie können mich Sir nennen« – ging im Alter von 18 Jahren zur US Army. Zwei Jahre später studierte er Design. Fünf Jahre später wurde er reich, als Sänger diverser Rock-Bands, deren Stil thinking man’s metal genannt wurde, vielleicht, weil er auch Protestlieder der 60er und 70er Jahre wie John Lennons »Imagine« schredder …, äh, coverte. Was macht so jemand, wenn er langsam auf die Dreißig zugeht? Er wird Winzer – natürlich in einer der trockensten, unwirtlichsten Gegenden der Welt, einer Geisterstadt in der Wüste von Arizona. »Blood Into Wine« ist die Dokumentation einer Leidenschaft und viel, viel harter Arbeit, an deren Ende ein »magickal« und nach der eigenen Mutter benannter Wein steht, der selbst barsche Kritiker begeistert: Caduceus Nagual des Judith. Ein großer kleiner Film mit viel Liebe, Humor und Zärtlichkeit sowie – yes, Sir! – natürlich einem wein-untypischen Soundtrack. Dazu passt: Gernot & Heike Heinrich, 2011 Blaufränkisch Leithaberg