TOP THEMA BIOWEIN – Feinschmecker Heft 10, Oktober 2011

„Heraus aus der Nische …Bio boomt in allen Bereichen, auch beim Wein, praktisch überall auf der Welt. Biowinzer gelten nicht mehr als schrullige Außenseiter, sondern als Elite. Der Verzicht auf Giftspritze und Kunstdünger wird nicht mehr als Gefahr für die Produktqualität gewertet, sondern als Ausdruck einer neuen Ehrlichkeit. Der Biowein konnte den Fachhandel erobern, die Weinkenner und die Top-Gastronomie – nicht aus der Defensive, sondern von der qualitativen Spitze her. Eindrücklich zeigt diesen Erfolg des VDP (Verband Deutscher Prädikatsweingüter), des wohl wichtigsten deutschen Winzerverbands. Von 1990 bis 2007 war Michael Prinz zu Salm-Salm VDP-Präsident, er ließ sich schon 1995 sein eigenes Gut vom Bioverband Naturland zertifizieren. Ihm folgte als Präsident Steffen Christmann, ein Anhänger der noch strikteren biologisch-dynamischen Bewirtschaftung. Auch andere Spitzengüter wie Dr. Bürklin-Wolf, Clemens Busch, Peter Jakob Kühn, Ökonomierat Rebholz und Wittmann arbeiten ökologisch. Dass der Biowein in gut zwei Jahrzehnten einen so fulminanten Wertewandel erleben konnte, hat vor allem zwei Gründe. Zum einen wurde in dieser Zeit immer deutlicher, welch fragiles Kapital hochwertige Weinbergslagen darstellen, bedroht von Erosion und Pestiziden, die das Bodenleben aus dem Gleichgewicht bringen. Überdies spielt seit den 90er-Jahren das Klima verrückt und zwingt die Winzer zu durchdachten Reaktionen. Bio ist, zumindest in Mitteleuropa, auch eine Antwort auf die Erderwärmung… Doch die Bio-Elite steht auch für einen stilistischen Paradigmenwechsel. Über Jahrzehnte sind die konventionell erzeugten Weine immer kräftiger geworden – wegen des Klimawandels und auch, um den Vorlieben mancher Kritiker zu schmeicheln. Hochwertige Weine aus immer reiferen Trauben wurden einander immer ähnlicher. Das Pendel schwingt nun zurück zur Feinheit, zur Differenzierung. Nicht, daß alle Bioweine leicht wären. Aber tendenziell scheinen sie nuancierter zu sein, zumindest ist das ihr Prestige. …Wer die Gewähr sucht, dass Bio auch für die Anwendung handwerklicher Techniken steht, sollte nach biologisch-dynamisch produzierten Produkten suchen…Siegel sagen nichts über den Geschmack eines Weins, denn sie werden wie alle Biozertifikate ohne sensorische Prüfung erteilt. Siegel und Logos hin oder her: An der Notwendigkeit, Weine selbst zu probieren und sich ein eigenes Urteil zu bilden, führt kein Weg vorbei.“ Pannobilisten sind IndividualistInnen… und führen ihre Betriebe unabhängig von einander und reden einander auch nicht drein, was ihre eigenen Weine betrifft. Die Plattform auf der alle zusammenkommen, zusammenwirken, kooperieren und zusammenhalten ist Pannobile. Und das ist nicht nur ein Wein oder ein Gebiet, sondern vor allem eine Gruppe von Menschen mit starkem sozialem Engagement. Pannobile Winzer erkennen Sie daher, falls Sie ihnen in Gestalt eines Weines begegnen, immer am Member of Pannobile Logo auf der Rückenetikette. Die Pannobilisten sind: Claus Preisinger, Judith Beck, Helmuth Renner, Hans Nittnaus, Gernot Heinrich, Hans Gsellmann, Gernot Leitner, Gerhard Pittnauer, Paul Achs. Alle wohnen und wirken im Burgenland am Nordostufer des Neusiedler Sees.

RAW WINE / Naturwein

Was ist Naturwein? – Decanter Magazine, Artikel von Isabelle Legeron MW, September 2011 …“Was genau ist eigentlich Naturwein? Woher stammt er; warum ruft er solch vehemente Reaktionen hervor? Und handelt es sich um eine kurzlebige Modeerscheinung oder hat er wirklich eine Zukunft? …Naturwein gibt es aber schon seit ewigen Zeiten. Als man Wein vor 8.000 Jahren zum ersten Mal herstellte, wurden nicht Unmengen an Hefen, Vitaminen, Enzymen und Mega Purple beigemischt oder mit Umkehrosmose, Cyro-Extraktion und Tanninpulver gearbeitet – um nur einige der vielen Zusätze und Verarbeitungsmethoden zu nennen, die weltweit zum Einsatz kommen. Die Weine jener Zeit waren naturbelassen: Man presste Trauben und vergor sie zu Wein. Die Naturweinbewegung hingegen ist ein relativ neues Phänomen. Diese Bewegung ist nicht einzelnen Personen zuzuschreiben, vielmehr trugen Dutzende dazu bei, ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass Weinanbau und Kellerarbeit zunehmend industrialisiert wird….Obwohl es sich um ein weltweites Phänomen handelt, stammen die meisten Winzer, die für eine Rückkehr zum Weinberg (und weg vom Einsatz von Technologie und Manipulation) plädieren, aus den Weinzentren der alten Welt, wie Frankreich und Italien. Den Biodynamik-Experten Monty Waldin, der Wein sowohl in Europa als auch in der Neuen Welt gemacht hat, überrascht das nicht. „Weine aus der Neuen Welt“ sind mit Hilfe von Technologie erfolgreich geworden – insbesondere mit einer langen, kühlen, temperaturgesteuerten Gärung, oft in riesigen Stahltanks für fruchtbetonte Weine…Naturweinherstellung ist das komplette Gegenteil davon. Weinkellereien in der Neuen Welt setzten von Anfang an auf Technologie, fügt Waldin hinzu, denn es fehlte an Erfahrung, und die Strategie war, im Weinberg und im Keller zu intervenieren, um Risiken auszuschalten.“ …Anstatt die Wissenschaft zu nutzen, um bei der Weinherstellung möglichst wenig einzugreifen, setzen wir sie ein, um vollständige Kontrolle über jede Stufe im Prozess zu gewinen – vom Anbau der Trauben bis zur Weinherstellung selbst. Sehr wenig wird der Natur überlassen. Das ist der entscheidende Punkt, der Naturweinbauern von anderen unterscheidet.

respekt BIODYN – eine biodynamische Weinbewegung seit 2007

Mit Empathie, Freude und Begeisterung stellen wir als Agenten für WeinPersönlichkeiten fest, dass aktuell neun Weingüter aus unserem Portfolio in einem gemeinsamen Impuls zusammen denken, fühlen und handeln (Kopf, Herz und Hand), in dem 2007 in Österreich gegründeten Verein – unter folgender Präambel respekt-BIODYN als Ideal Mai 2017 respekt-BIODYN ist ein Ideal. Es ist ein Qualitätsideal für Produkte und Prozesse in der Landwirtschaft bzw. in der Produktion von Lebens- und Genussmitteln als auch ein Arbeits- und Lebensideal. Kurz gefasst ist es die Suche nach Qualität im weitesten Sinne inklusive des höchst vorstellbaren Respekts vor der Natur, unserer Erde und der Menschheit (ökologische – ökonomische – gesellschaftliche – emotionale Nachhaltigkeit). Wir wollen auch in diesem Sinne transparent und offen arbeiten. Unsere Produkte sollen nach gewissen hohen äußeren Produktionsrichtlinien hergestellt werden – wobei wir auch glauben, dass die innere Haltung der Produzenten, der Menschen, ebenso wichtig ist wie die Aufzeichnung der jeweiligen Produktionsschritte.

Weingut Christmann: Der Jahrgang 2017

Die letzten Trauben sind geschnitten, die letzte Kelter ist angelaufen und der letzte Saft läuft in die Kelterwanne. Es ist ein unglaubliches Gefühl der Zufriedenheit, wenn die Arbeit eines Jahres eingefahren und den Widrigkeiten des Wetters entzogen ist.Wir können wirklich zufrieden sein. Höchstens Kleinigkeiten hätten wir anders gemacht. Alles in allem liegen durchweg perfekte Moste in unseren Fässern. Reif bis vollreif, voller Frucht und mit schöner Säure, höher als 2014, 2015 und 2016, niedriger als 2013 und 2010. Nur die Erträge waren manchmal doch ganz schön niedrig. Gerade in den letzten Tagen spürte man den Verdunstungseffekt der schönen warmen Sonnentage sehr deutlich, so dass die Mostgewichte in kurzer Zeit um 5-10° Oechsle stiegen und analog die Menge zurückging. Dies jedoch nicht um 10 % sondern um 30-40%. Von Beginn an aber waren die Fruchtansätze nicht so hoch wie in den Vorjahren. Dazu kam noch etwas Frost und so haben wir die kleinste Menge im Keller seit 2010.Jetzt können wir erst einmal durchatmen. Die Hefen müssen ihre Arbeit erledigen und den Zucker zu Alkohol wandeln. Nach und nach beginnen die Fässer zu arbeiten. Wenn die Gärung dann erst einmal begonnen hat, verläuft sie schneller als in den Vorjahren. Sicher hängt es damit zusammen, dass wir in den letzten Jahren gelernt haben, mit etwas trüberen Mosten und höheren Temperaturen bessere Bedingungen zu schaffen. So entsteht der Weinjahrgang 2017 ab jetzt im Keller in unserer Hand.

Weingut Hahnmühle: Rückblick auf ein turbulentes Weinjahr 2017

Das gab es bei uns noch nie: Leseabschluss am 6. Oktober! In der Geschichte unseres Weingutes konnten wir bislang keinen derart frühen Leseschluss verzeichnen. Noch vor 15-20 Jahren war es üblich, dass sich die Riesling-Lese bis in den November hineinzog. Die Temperaturen waren kühl und somit die Gefahr sich schnell ausbreitender Traubenfäulnis gering. Das waren noch entspannte Weinlesen. Doch die Zeiten ändern sich. Die globale Klimaerwärmung lässt grüßen… Schon in der ersten Aprilhälfte, etwa drei Wochen früher als dies normalerweise der Fall ist, öffneten sich die ersten Triebspitzen. Dieser frühe Austrieb stellt auch immer eine Gefahr für die Reben dar. Die prognsotizierten Spätfröste schlugen dann am 20. April zu. Trotz der extremen Minustemperaturen von -6° C fielen die Schäden etwas geringer aus als befürchtet. Jetzt nach der Lese sind die Fässer im Weinkeller zwar nicht alle voll. Doch für uns ist noch viel wichtiger: Die Qualitäten stimmen! Sie können sich auf einen außerordentlich gehaltvollen Jahrgang mit einer feinen Säure und einer guten Struktur freuen. Mannweiler-Cölln, 10. November 2017

Domaine Marc Kreydenweiss: Der Jahrgang 2016

Im Elsass ein Jahr mit extremen Bedingungen: nach 6 Monaten Regen … 6 Monate Trockenheit. Mit anderen Worten, das Erntejahr war anstrengend. Die anhaltende ausgeprägte Bedrohung durch Mehltau hielt uns unablässig im Alarmzustand. Ein Problem folgte dem anderen. Der Regen wurde ab Juli durch ausgeprägte Trockenheit abgelöst. Unsere Anstrengungen wurden während der Ernte belohnt. Prächtige Trauben, ordentliche Erträge außer im Clos Rebberg (15 hl/ha) und im Mönchberg Grand Cru (25 hl/ha), wo der Pilz stärker war als wir. Die Weinernte lief wie gewohnt ruhig und umsichtig ab. Wir haben während der Ernte von günstigen Wetterbedingungen profitiert und gewartet bis die Trauben jeder Parzelle die perfekte Reife entwickelt hatten. Deswegen hat die Ernte 5 Wochen gedauert. Am Ende beschenken uns die Weine im Keller mit ausgesuchter Frische und einer schönen Spannung. Außerdem mit sehr ausgeprägte Verkörperung des Terroirs. Andlau, Juni 2017

Herbstbericht 2016 vom Weingut Peter Jakob Kühn

Klein, aber außergewöhnlich ausdrucksvoll. Peter Bernhard: Die Trauben, die die feuchte Witterung um die Rebblüte überstanden, sind zu wunderschönen Trauben herangereift. Ab Anfang August bescherte uns Mutter Natur einen sonnigen, trockenen Spät- und Altweibersommer – Bedingungen, wie wir sie uns für die Traubenreife nicht schöner wünschen konnten. Aromatik und Intensität konzentrierte sich in den verbliebenen Trauben. Es zeigt sich einmal mehr, daß ein zutreffendes Urteil erst gefällt werden kann, wenn der Most im Keller ist. Peter Jakob: Der Witterungsverlauf des vergangenen Jahres war beispiellos. Ich habe noch nie eine vergleichbar schwierige Pflanzenschutzsaison erlebt. Zum Zeitpunkt der Rebblüte fiel fast jeden Tag ergiebiger Regen. Diese ständige Feuchtigkeit war gerade im ökologischen Weinbau eine sehr große Beeinträchtigung. Denn wir verwenden nur auf der Oberfläche wirksame Kontaktmittel, die nicht in die Saftbahnen eindringen. Dieser Kontaktschutz wurde durch den fortwährenden Regen noch am gleichen Tag wieder abgespült. Pilzliche Schaderreger zerstörten große Teilöe der zum Zeitpunkt der Blüte besonders empfindlichen, werdenden Träubchen. Der herrliche Altweibersommer und die Konzentration des Rebstocks auf die verbliebenen Trauben bescherten uns aber Trauben mit unvergleichlichem Aroma. Ein mengenmäßig sehr kleiner, aber außergewöhnlich ausdrucksvoller Jahrgang.

Weingut Wittmann: Der Jahrgang 2016

Das Jahr 2016 wird uns Winzern als ein Jahr der Extreme in Erinnerung bleiben: Nach einem sehr milden Winter wurde der Vegetationsbeginn durch einen kühlen März und April noch einmal gebremst. Nach dem Austrieb der Reben Ende April kam es zu einem Kaltlufteinbruch. Wir hatten großes Glück, dass unsere Reben im Gegensatz zu anderen Regionen keine Spätfrostschäden davon getragen haben. Im Mai und Juni lagen die Temperaturen im durchschnittlichen Mittel der Jahre. Die Niederschläge jedoch nahmen zum Teil fast apokalyptische Ausmaße an. Es gab bei uns alleine im Mai mehr als das Doppelte der für die Jahreszeit üblichen Regenmengen. Die Reben schöpften aus dem Vollen und entwickelten eine enorem Wuchskraft. Gleichzeitig waren aber die Bedingugnen für die Infektion mit dem falschen Mehltau (Peronospora) extrem günstig, und das ausgerechnet in der Zeit um die Rebblüte, in der die jungen Fruchtansätze am Empfindlichsten sind. Mit unseren Möglichkeiten des ökologischen Pflanzenschutzes kamen wir defintiv an unsere Grenzen. Am Ende war es wieder einmal Glück, dass unsere Weinberge im Westhofener Wingertsberg nicht ganz dramatisch befallen wurden. Viele Flächen in der Ebene erlitten große Verluste. Am Ende können wir sagen, mit einem „blauen Auge“ davon gekommen zu sein. Im Juli kam die Kehrtwende der Witterung, die Sonne zeigte sich öfters und es wurde trocken. Die Temperaturen lagen leicht über der Norm. Mit viel Handarbeit, dem Entfernen kranker Triebe und Trauben sowie der guten Balance im Wachstum entwickelten sich die Weinberge jetzt sehr positiv. Der Spätsommer zeigte sich ab Mitte August von seiner allerbesten Seite, so dass es sogar fast schon zu trocken wurde. Unsere schweren Tonmergelböden hatten aber ausreichend Wasser vom Frühjahr gespeichert. Selbst im September erreichten wir noch mehrmals die 30° Celsius Marke und die Traubenreife schritt gut voran. Ende September begannen wir mit der Lese der Burgundersorten. Wir freuten uns über goldgelbe, reife Weisse Burgunder- und aromatische, gut ausgereifte rote Spätburgunder-Trauben. Die Riesling-Lese verlief in 2016 eher klassisch: mit einer recht frühen Vorlese wurden nochmals weniger reife Trauben ausselektiert. Die Hauptlese erfolgte dann ab Mitte Oktober: wir begannen in Nierstein am 11. Oktober, es folgte die AULERDE am 12. Oktober und das KIRCHSPIEL in den darauffolgenden Tagen. Die Trauben im BRUNNENHÄUSCHEN und MORSTEIN reiften wie so oft einige Tage länger am Stock. Hier begann die Haupternte erst in den letzten Tagen des Oktobers. Wer hätte im Frühsommer einen am Ende so qualitativ reizvollen Jahrgang erwartet? Reife Traubenfrucht und eine gut balancierte Säure sowie moderate Alkoholwerte sind die typischen Merkmale dieses Jahres: im besten Sinne klassisch. Unsere Jungweine reifen nach 4-8 wöchiger Gärung nun auf der Hefe und die Aussichten sind wirklich erfreulich. Westhofen im Februar 2017